Warum es so schwer ist, sich auf jemanden einzulassen – Vertrauen vs. Erfahrungen.

Blog: Die Liebe - 05.11.2018
Aus aktuellem Anlass und intensiven Gesprächen, geht es diesmal darum wie schwer es ist sich auf jemanden einzulassen. Am Anfang sind da die schönen und unvergesslichen Momente, in denen Leidenschaft alles übernimmt und der Verstand keine Rolle spielt. Jede Sekunde wird der andere verschlungen und jeder Moment wird ausgenutzt um nichts zu verpassen, was zwischen zwei Menschen passiert die sich ineinander verknallt haben. Zu diesem Zeitpunkt spielt es keine Rolle, wo man herkommt, hin will, welche Religion man praktiziert oder welche Angewohnheiten man hat.

Vertrauen ist das Gefühl, einem Menschen sogar dann glauben zu können, wenn man weiß, dass man an seiner Stelle lügen würde.

Henry Louis Mencken

Es zählt der Moment. Doch warum kann das nicht immer so bleiben? Warum schaltet sich automatisch der Kopf ein, sobald es so schön wird? Warum ist die erste Haltung bei Gefühlen, komplette Zurückhaltung? Wieso ist das was so schön ist, die größte Bedrohung überhaupt und warum tun wir in diesem Moment alles um dieses schöne Gefühl im Keim zu ersticken? Die Frage ist, warum es so schwer ist sich auf jemanden ein- und fallen zu lassen. Eigentlich genau das was man will, in diesem Moment. Was ist es, was wir wollen und gleichzeitig verhindern? Warum passiert es jedes Mal zur gleichen Zeit und was kann ein Ansatz sein um dies zu ändern?

Nun, als erstes muss man darüber nachdenken, dass wenn man etwas wirklich will, den Gegenpol miteinbeziehen muss, dass, sollte man es nicht bekommen, der Verlust ziemlich gewaltig sein kann. Eigentlich ist damit schon das ganze Problem erklärt.

Nachdem man also die Leidenschaft über Gedanken stellen konnte, weil die Lebendigkeit und Euphorie überwogen haben, kommt, gerade wenn es besonders schön war, der Kopf dazu, der dich daran erinnert, wie sehr es das letzte Mal geschmerzt hat als man dieses Gefühl gegen Alltag und anschließender Trennung eingetauscht hat.

Das ist erstmal nachvollziehbar. Total. Geht ja jedem so. Das Problem bekommt eine andere Dimension wenn man darüber nachdenkt, dass sich jeder in diesem Schema bewegt. An der Stelle entstehen so viele Missverständnisse, weil man in sich kehrt und versucht dem anderen kein schlechtes Gefühl zu geben, wenn man darüber spricht, das man dem anderen überhaupt nicht vertrauen kann. Jeder der gerade frisch verliebt ist, könnte das sehr schnell sehr persönlich nehmen.

Was wenn es der andere aber tatsächlich aufrichtig meint und auf jemanden stößt, der sich trotzdem dagegen wehrt das zu glauben und lieber davon ausgeht auch von ihm enttäuscht, verletzt, angelogen und betrogen zu werden? Was wenn es beide aufrichtig meinen und beide aber so denken? Na, jetzt sieht man das ganze lächerliche Dilemma.

 

Wenn man Liebe nicht bedingungslos geben und nehmen kann, ist es keine Liebe, sondern ein Handel, in dem ständig Plus und Minus gegeneinander abgewogen werden.

Emma Goldman

Warum sag ich so dreist, lächerlich? Das soll sich doch mal einer überlegen...

Wir Menschen bleiben lieber in unserer kleinen Komfortzone um nicht verletzt zu werden, machen dicht und erleben nichts bevor wir riskieren, dass man mal was erlebt um, sollte es schief gehen, wieder genau an der gleichen Stelle ihres emotionalen Lebens zu stehen. Das macht einfach keinen Sinn und man bleibt weiterhin Knecht seiner Ängste, die durch schlechte Erfahrungen eingebrannt wirken. Schmerz gehört dazu, wenn man sich auf jemanden einlässt, so oder so. Wenn jemand nicht verletzt werden kann, durch den potenziellen Verlust des anderen, so hat er sich nie eingelassen.

 

Misstrauen ist ein Zeichen von Schwäche.

Mahatma Gandhi

Wir alle sehnen uns nach Liebe und jemanden, mit dem man sie teilen kann. Nähe, Vertrauen und Sex sind die Bedürfnisse, die der Mensch, den wir lieben, ganz tief erleben darf, wenn wir uns öffnen. Was haben wir zu verlieren? Das schlimmste was passieren kann ist, dass wir eine intensive und aufrichtige Beziehung erleben durften und uns ewig daran erinnern werden. Das was meistens passiert ist, dass wir aus Angst vor einem Gefühl, wenig bis gar nichts erleben und wir über den Trennungsschmerz etwas schneller hinwegkommen.

Ich persönlich denke das Vertrauen der größte Liebesbeweis ist, der uns entgegengebracht werden kann. Der stärkste Mann oder die scheinbar coolste Frau sind Feiglinge, wenn sie vor ihren Gefühlen wegrennen. Es ist wahrer Mut, Eier in der Hose und wirkliche Größe, sich fallen zu lassen und nur die wenigsten schenken dem Menschen, den sie angeblich so sehr lieben, genau das. Ich war mein halbes Leben lang, davon überzeugt, dass Taten mehr sagen als Worte. Mittlerweile sehe ich das etwas anders. Denn wenn Worte aufrichtig sind, kann man auch mal etwas falsch machen und wenn auf Worten Taten folgen und wir vertrauen, tragen die Worte an Gewicht.

 

In diesem Sinne...

 

Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vetrauen hat.

Matthias Claudius

Kusskuss 

 

Eure Doreen