Es ist was es ist, sagt die Liebe. Was es ist, sagt der Verstand. – Warum es einen tiefen Sinn haben kann den anderen nicht zu vergessen.

Blog: Die Liebe - 18.04.2018
Aus aktuellem Anlass und intensiven Gesprächen, geht es diesmal um diesen einen Menschen im Leben, der einen nicht loslässt und den man einfach nicht vergessen kann. Es ist diese eine Person, die schon jetzt dein Leben verändert hat, ohne das du es vielleicht schon weißt, eventuell aber bereits getan hat. Wenn man Glück hat ist es einer, wenn man extrem viel Glück hat, vielleicht auch einer mehr und wer weiß und du wirst es für jemanden sein oder bist es sogar schon.

Es ist diese Sehnsucht, nach einem Gefühl, dass dich mit jemandem verbindet, dass du nicht vergisst. Manchmal in deinen Träumen, wenn du dich alleine fühlst oder wenn du an die unvergesslichen Momente in deinem Leben denkst und sie dir genau jetzt zurückwünschst. Für den einen war das die Jugendliebe, dessen Gefühl der Leichtigkeit nie wieder an irgendetwas Vergleichbares herangereicht hat. Die andere kann den Ex Freund nicht vergessen obwohl sie mit zwei Kindern und Ehemann im Eigenhaus überglücklich scheint und jemand anderes hat seine große Liebe gehen und sich von ihm trennen lassen, weil er wusste, dass sie wieder zueinanderfinden würden. Jeder verbindet jemand und etwas anderes besonderes mit dem was man nicht vergessen kann.

 

„Alles, worauf die Liebe wartet, ist die Gelegenheit.“

Miguel de Cervantes

 

Doch was ist es, dass uns nicht loslässt und sich in uns verankert hat, wie eine Narbe unter der Haut? Was steckt hinter diesem Gefühl, dass uns mit dieser Person verbindet? Können wir trotzdem glücklich sein obwohl wir uns nach diesem Gefühl sehnen und deshalb immer wieder an eine bestimmte Person oder Situation zurückdenken?

Hat es was zu bedeuten, wenn wir nach Jahren, mehreren Partnern oder eigentlich bewusster Zufriedenheit trotzdem regelmäßig inne und nach diesem Gefühl Ausschau halten oder hat das eine mit dem anderen nichts zu tun? Wann verwechseln wir wahre Schicksalhafte Sehnsucht und Liebe mit verzweifelter Leere und Ablenkung von Kindheitsangst durch Verdrängung? Wann macht es Sinn mit Dämonen aufzuräumen und wann an den Mut um die oder den einen zu kämpfen?

Nun, zunächst ist es wichtig, in welcher aktuellen Lebenssituation man sich befindet und sich fühlt, wenn man sich nach etwas oder jemandem sehnt. Oft sind wir aus reinem Unglück dazu gestimmt uns nach dem zu sehnen, was wir gerade nicht haben. Das hat dann allerdings weniger subjektive Gründe und versucht nur einem Schmerz aus dem Weg zu gehen. Allerdings gibt es auch da kleine Unterschiede. Wenn man nicht weiß, das etwas fehlt und jemand ein Gefühl in dir hervorruft, das du entdeckst und dir bisher in deinem Leben gefehlt hat, kann es dazu kommen, dass du dich deshalb nach jemandem oder etwas sehnst, das du eben noch nicht kennst oder vermisst, sondern kennenlernen und entdecken möchtest. Aber auch dann sollte man sich mit seinen eigenen Dämonen auseinandersetzen. Denn es gibt definitiv einen Grund, das man dafür bisher noch nicht bereit war oder nicht jemand anderem erlebt hat. Tut man das nicht, erfüllt der andere oder auch nur dieses Gefühl nichts anderes als einen Zweck und zwar den, das unbewusste und verdrängte Unglück nicht zuzulassen und das neue aufregende Gefühl damit zu überdecken.

Doch ist es auch möglich sich nach diesem Gefühl zu sehnen, wenn man sich eigentlich glücklich und zufrieden fühlt? Sicherlich macht es Sinn etwas haben zu wollen, was man nicht hat, sich aber wünscht. Anders ist es allerdings, wenn das was man sich wünscht keinen Zweck erfüllt oder erfüllen soll. Wenn das, was man jetzt gern hätte, etwas wäre, das einen wirklich unglaublich freuen würde, es allerdings nicht das was man hat in Frage stellt oder schlechter macht. Ein selbstgemachter Kuchen ist auch ohne Sahne lecker, aber vielleicht wäre manchmal eine Kugel Vanilleeis mit Schokostreusel doch wahnsinnig toll! Deshalb würde man ja trotzdem nicht auf den Kuchen verzichten oder ihn weniger mögen. Trotzdem ist es wichtig sich einzugestehen, dass man etwas haben möchte. Bedürfnisse entwickeln sich mit der eigenen Entfaltung der Persönlichkeit. Sobald man sich auf die Suche macht und öffnet für das was man selbst will und braucht, wird merken was einem gut tut.

 

Doch neben der neuen Suche, dem unbekannten Gefühl, dass man vermisst, gibt es auch ein bekanntes Gefühl, das man kennt und nicht spüren möchte und sich deshalb nach jemandem oder etwas sehnt, dass dieses ungute Gefühl ersetzt. In diesem Fall passiert es häufig, dass man einsam ist, unglücklich in seiner Beziehung oder eine innere Leere durch Unzufriedenheit und/oder Frustration anzubahnen scheint und sie mit etwas schönem, bekannten und einnehmenden Gefühl ersetzen bzw. verdrängen will.

Leider ist meistens dieser Grund der Anlass um seine/n Ex anzurufen oder sich im lang ersehnten Sommer solange von einer Party zur nächsten Party zu trinken, bis dann hoffentlich so etwas wie Aufregung, Euphorie und Ekstase oder ein Verliebtheitsgefühl aufkommen. Alles passiert um sich nicht dem stellen zu müssen, was anderweitig auf einen warten würde, würde man eben nüchtern bleiben, nicht seinen Ex Partner anrufen und keine Erwartungen und Abhängigkeiten an Alkohol, Personen, Jahreszeiten oder Situationen haben. Damit erfüllt das, wonach man sich sehnt und unbedingt zurückhaben will, nur einen Zweck und nutzt den anderen eigentlich nur aus. Darüber sollte man sich wirklich Gedanken machen. Denn jeder auf den dies zutrifft, der sich das auch eingesteht, hat damit nicht nur die Möglichkeit, seinen Schmerz zu entdecken und zu erlösen, indem er ihn vollkommen zulässt, sondern auch die Menschen, die er angeblich so lieb hat, tatsächlich nicht mehr zu verwenden, sondern für die sie sie sind, liebzuhaben.

 

Warum es auch noch einen tiefen Sinn haben kann, jemand anderen nicht zu vergessen, um nicht zu sagen, nicht vergessen zu können, ist der des Schicksals. Das klingt jetzt vielleicht kitschig und ich persönlich bin eigentlich grundsätzlich der Meinung, dass es einen Grund hat warum man sich erstmals getrennt hat, trotzdem sieht man sich manchmal zwei Mal im Leben um sich erst dann wirklich zu behalten. Manchmal weil man erst einmal wirklich spüren musste, wie sehr man den anderen liebt, schätzt und respektiert und manchmal aus Zuversicht, weil man weiß, dass es besser ist, sich an einer Stelle zu trennen um sich an einer anderen wiederzufinden.

 

 „Gott würfelt nicht.“

Albert Einstein

 

Es gibt verschiedene Gründe, warum man sich erst auf dem zweiten Blick wirklich sehen wird, Zeit ist wohl der Schlüssigste. Um die Dinge zu verstehen und wertzuschätzen gehören immer zwei. Wenn einer von Ihnen bereits weiß, dass sie füreinander bestimmt sind, aber die Zeit noch nicht reif ist, weil der andere sich vielleicht noch nicht einer mental stabilen Verfassung befindet oder emotional noch nicht klar sieht, muss er zusehen wie man sich erstmal trennen muss. Es gibt keine zeitlichen Grenzen, Maßstäbe oder Schätzungen wie lange man wartet um sich das nächste Mal zu begegnen, aber man weiß das es passiert.

Sobald man kalkuliert versucht man das Schicksal zu manipulieren und glaubt auch nicht wirklich daran. Das ist wie jemanden nur gehen zu lassen, weil man dadurch weiß, dass er wiederkommt. Denn dann lässt man ihn nicht wirklich los oder gehen, man selbst und auch der andere ist nicht frei. Selbst wenn es 20 Jahre dauert, wenn man weiß das man zueinander gehört, dann weiß man es und es ändert nichts.

 

Jemanden innerlich loszulassen heißt nicht ihn oder euch aufzugeben, sondern könnte der Glaube an euch sein, durch Zuversicht und Liebe. Denn wer liebt, kann auch aus der Ferne lieben und ohne das es durch Wort und Tat erwidert wird.

 

„Jeder Mensch begegnet einmal dem Menschen seines Lebens, aber nur wenige erkennen ihn rechtzeitig.“

Gina Kaus

 

Ich persönlich habe aller dieser Beispiele erlebt. Ich habe dieses Gefühl benutzt um Leeren zu füllen oder unschöne Gefühle zu verdrängen. Auch um ein bekanntes schönes Gefühl wiederzuerlangen habe ich versucht meine äußeren Umstände anzupassen bzw. wiederherzustellen. So oder so, habe ich versucht etwas zu erzwingen, was nicht natürlich war um Gefühlen, die ich nicht aushalten wollte, aus dem Weg zu gehen und stattdessen mit ein angenehmen und mir bekanntem Gefühl zu ersetzen. Auf lange Sicht ist es so unmöglich glücklich zu werden, weil man sich selbst etwas vormacht und nichts davon wirklich der Wahrheit entspricht. Was wirklich wahr ist, liegt genau hinter diesen vermeintlich unschönen Gefühlen. Denn hat man diese mal zugelassen und fühlt sich nicht mehr bedroht sie mit irgendetwas zu ersetzen oder zu verdrängen, bekommen diese schönen sehnsüchtigen Gefühle, die man bis dahin nur benutzt hat, eine ganz andere Tiefe und Freiheit. Dann ist es möglich zu spüren, dass es wirklich jemanden gibt, den man nicht vergessen kann, weil man ihn liebt. Ich habe das tatsächlich erlebt, dass sich dieses Blatt dreht und jemanden, der durchaus mal einen Zweck erfüllt hat, irgendwann ganz ohne Bedingungen unvergessen für mich geworden ist und bleiben wird.

Ich selbst durfte für jemanden auch dieser Jemand sein. Jemand hat mich nicht vergessen und wusste, dass wir wieder zueinanderfinden würden. Ich bin dafür so unendlich dankbar.

Loslassen heißt nicht aufgeben, es bedeutet Freiheit.

 

In diesem Sinne...

 

„Es nimmt der Augenblick, was Jahre geben.“

Johann Wolfgang von Goethe

 

Kuss

 

Eure Doreen