Gel(i)ebte Einsamkeit schafft Verbundenheit – Warum der Drang nach Zweisamkeit alles kaputt machen kann und man für alles andere Eier braucht!

Blog: Meine Welt – meine Gedanken - 19.03.2018
Nachdem ich in den letzten zwei Jahren danach gesucht habe, was mich mein halbes Leben in meinen Beziehungen unglücklich sein ließ, bin ich auf vieles gestoßen, was meine Welt komplett auf den Kopf gestellt hat. Dinge von denen ich dachte, sie seien selbstverständlich oder müssten so passieren, damit es vom Partner anerkannt wird oder sogar zwingend notwendig um eine Beziehung aufrecht zu erhalten, haben sich als kompletten Quatsch und manchmal sogar zerstörerisch erwiesen.

Nun, einer der häufigsten Dinge, die wir tun, wenn wir jemanden lieb haben, ist versuchen ihm etwas Gutes zu tun. Dabei gehen wir in diesem Moment davon aus wie wir uns selbst fühlen bzw. uns gut tun würde. Wir betrachten es also durch unsere Augen und handeln danach, wir meinen das natürlich auch gut und hoffen mit unserem Handeln unserem Partner etwas Gutes zu tun, ganz gleich ob das genau das ist, was der andere eigentlich möchte.

Wenn man mal genau darüber nachdenkt, machen wir das eigentlich immer so.

Wir gehen auch davon aus, das der andere wissen müsste, wie wir die Dinge erleben und wie man am besten mit uns umgehen muss, am besten noch ohne Worte.

Das ist wirklich krass, weil niemand mit jemand anderem zu vergleichen ist und trotzdem verhalten wir uns so als wäre genau das die Realität. Vor allem wenn es um unsere Liebsten geht, fällt uns nicht auf, das unser Interesse tatsächlich beschränkter ist, als wir uns eingestehen würden, würden wir uns damit auseinandersetzen.

Ein gutes Beispiel dafür erkennt man beim Thema Fürsorglichkeit. Ich gehöre ganz klar zu denen, die sich gern um andere kümmern, sie bekochen, Überraschungen machen, sie umsorgen wenn sie krank sind und auch sonst versuchen zu helfen wo sie können. Obwohl es mir selbst sehr schwer fällt, mich betüddeln zu lassen, geschweige denn Hilfe anzunehmen, mag ich es doch, wenn man mir Überraschungen macht oder Wünsche von den Lippen abliest. Ich bin sicher, dass jetzt einige von euch schmunzeln und wissen was ich meine.;) Aus der reinen Intention, dem den man liebt eine Freude zu machen, wirkt es erst einmal wenig egoistisch, uneigennützig, desinteressiert und unaufmerksam. Doch genauer betrachtet ist es das was wir uns wünschen würden und hat rein gar nichts mit den Bedürfnissen, Wünschen, Prioritäten oder Ansichten des anderen zu tun.

Ich selbst habe es aus diesem Beispiel heraus begriffen. Es gab mal einen Menschen in meinem Leben, bei dem ich mich genau so verhalten habe und überhaupt nicht bemerkt habe, dass ich damit nur einen Druck aufgebaut habe und es weder gewollt noch erwünscht war, dass ich mich kümmere und sorge.

Meine Freundin hatte darüber das sie mich mag, den Druck ausgehalten sich umsorgen zu lassen obwohl sie ihr Leben sehr selbstständig führte und hat sich nicht getraut mir zu sagen, dass ihr das zu viel ist, weil sie mich nicht verletzen wollte.

Erst ein halbes Jahr später habe ich verstanden was da eigentlich passiert ist. Die Antwort ist Einsamkeit. Die pure, harte und verdrängte Einsamkeit.

Na klar, es ist ja auch nicht leicht etwas auszusprechen, was den, den man liebt verletzen könnte bzw. wird. Umgekehrt ist es auch nicht leicht, zu erfahren das man etwas falsch gemacht, jemanden unter Druck gesetzt oder sich desinteressiert verhalten hat. Genau diese Ehrlichkeit macht den Unterschied zwischen Himmel und Hölle, gewöhnlichen und instabilen Beziehungen und einem gesunden Verhältnis zu sich selbst und seinen Gefühlen.

Es ist die Auseinandersetzung mit seiner eigenen Einsamkeit, die dazu führt, dass man auch über Dinge sprechen kann, die schmerzhaft, unangenehm, angstvoll und schwer oder scheinbar unüberwindbar sind.

An diesem Beispiel kann man es ganz gut verstehen. Hätte sie mir damals gesagt, wie es ihr geht, hätte ich mich wahrscheinlich zurückgewiesen gefühlt. Ich hätte Angst gehabt sie zu verlieren, etwas falsch gemacht zu haben, dass ich nicht mehr gut machen kann oder mich egoistisch und ignorant zu verhalten. Wenn diese Gefühle hätten sein dürfen und ich das Gefühl des Versagens zugelassen hätte, ohne es wegzutun, es an ihr auszulassen oder dicht zu machen und wegzurennen, hätte ich die Trauer über diese Einsamkeit, die ich dann empfunden hätte, zulassen müssen.

Und nicht nur das. Ich hätte, hätte sie mich darauf angesprochen, für sie da sein müssen und versuchen müssen sie zu verstehen und wie sie das erlebt hat, was ich in ihr ausgelöst habe. Sie hätte gesagt wie sie sich fühlt und es wäre erstmal nicht darum gegangen was das in mir auslöst, weil sie sich dann weiterhin nicht getraut hätte darüber zu sprechen. Das macht es so schwer. Es geht darum den eigenen Schmerz auszuhalten. Schließlich hat sie ihn nur ausgelöst und nicht verursacht, sie wäre nicht daran schuld gewesen. Niemand ist schuld daran, wie man sich fühlt.

 

„Es kämpft jeder seine Schlacht allein.“

Friedrich von Schiller

 

Ohne das wir jemals darüber geredet haben, weiß ich, das sie sich neben mir allein gefühlt hat. Ich war es auch, weil ich keine Ahnung hatte wie es ihr ging. Wahrscheinlich hat sie ihre eigene Einsamkeit verdrängt und versucht mitzumachen aus Angst mich zu verlieren und eben vor dem Gefühl der absoluten Einsamkeit.

Alles um ein bisschen Schmerz aus dem Weg zu gehen.

Wir haben keinen Kontakt mehr. 

 

„Darin besteht Liebe: Dass sich zwei Einsamen beschützen und berühren und miteinander reden.“

Rainer Maria Rilke

 

Wenn man sich jetzt vorstellt was passiert, wenn man sich diesen Gefühlen stellt und du deinem Liebsten alles, ausnahmslos alles erzählen kannst, egal wie bitter oder schmerzhaft es sein könnte, dann ist das ein Moment der Verbundenheit. Zugegeben, das bedarf einem Vertrauen das seines gleichen sucht und nicht jeder wird das in seinem Leben erfahren können.

Es gehört schon sehr viel Mut und Kraft dazu, sich mit seinen Gefühlen, Ängsten, Unsicherheiten auseinanderzusetzen und sich der Scham zu stellen ohne zu glauben, dass alles auseinanderbricht.

 

„Ganz er selbst sein darf jeder nur solange er allein ist: wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit: denn nur wenn man allein ist, ist man frei.“

Arthur Schopenhauer

 

Es bedeutet für den anderen da zu sein und versuchen zu verstehen, wie er die Dinge durch seine eigenen Augen sieht. Es geht darum selbst frei zu sein, weil man die Einsamkeit spürt und nicht versucht dieses Gefühl zu verdrängen.

Bei dem Versuch dem aus dem Weg zu gehen versuchen viele genau das Gegenteil von Konfrontation mit der Wahrheit. Die meisten, die sich in ihrer Beziehung einsam fühlen trauen sich nicht die Dinge anzusprechen, aus Angst davor den anderen zu verletzen, Diskussionen oder Streit aus dem Weg zu gehen oder sich selbst und seinen Bedürfnissen keine Beachtung zu schenken weil das vielleicht das ganze Leben ändern könnte. Dann passiert meistens der verzweifelte Versuch nach Zweisamkeit, der oft der Anfang vom Ende ist. Man ist dann zusammen obwohl man vielleicht gerade seine Ruhe haben möchte, aus Angst darüber zu reden. Dann möchte man ein Kind zusammen bekommen, weil genau das ist, was die Beziehung nur kitten könnte. Zu guter Letzt, um die Zweisamkeit auch noch auf dem Papier einzufordern, natürlich ganz zwang -und zwecklos, kommt danach – genau, NIX!

Nix, weil das Problem immer noch nicht gelöst ist. Bis man da von allein drauf kommt, ist Lucy 17 und alt genug um auszuziehen und Mutti fängt mit 48Jahren noch mal von vorn an, weil Papi sich ´ne Jüngere gesucht hat.

Wie man merkt ist es wirklich eine Lebensaufgabe glücklich zu sein.

Es kommt nicht angeflogen und was dafür tun muss man auch.

Je mehr man versucht die Einsamkeit auszublenden, macht man sich von Zweisamkeit abhängig. Unter diesem Druck ist nichts und niemand frei und schon gar nicht du selbst.

 

„Einsamkeit, verbunden mit einem klaren, heiteren Bewusstsein ist, ich behaupte es, die einzig wahre Schule für einen Geist von edlen Anlagen.“

Gottfried Keller

 

In diesem Sinne...

 

Kusskuss

 

Eure Doreen