Wirkliche Liebe ist bedingungslos - Warum wir erst loslassen müssen um zu fühlen wonach wir uns sehnen.

Blog: Die Liebe - 14.03.2018
Ja, ich weiß. Es ist schon über ein Jahr vergangen seit meinem letzten Blogartikel. Ehrlich gesagt wusste ich nicht worüber ich schreiben sollte. Es war alles erzählt und geschrieben was mich noch bis vor einiger Zeit beschäftigte. Ich habe in den letzten zwei Jahren so viel erlebt, dass es in keine drei Bände passt. Auch jetzt sehe ich die Welt durch vollkommen andere Augen und bin mir nicht sicher, was am Ende dieses Artikels stehen wird oder auf was ich eigentlich hinauswollte. Vor einem Jahr habe ich deshalb aufgehört zu schreiben, weil ich dachte das das mein Anspruch sein müsste. Doch mittlerweile haben sich meine Ansichten verschoben und der Druck etwas perfekt und für jeden verständlich zu machen ist wie verschwunden. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem alles anfängt. Wie ein leeres Blatt Papier fange ich gerade an das zu finden, was ich die letzten 31 Jahre gesucht habe. Ich schreibe nun die ersten Zeilen meines neuen Lebens.

Tja und wenn es eines gibt, was mich derzeit sehr beschäftigt, dann das Thema Liebe (wem geht es nicht so?).

Liebe ist ein großes Wort und ich selbst habe es viel zu oft, zu verschwenderisch, leichtsinnig und naiv benutzt. Ich war eine von vielen, die „Ich liebe dich“ bereits gesagt haben, bevor sie wussten was das eigentlich bedeutet. Und auch jetzt fange ich es überhaupt erst langsam an zu begreifen, was Liebe wirklich ist.

 

Wenn ich mir überlege wann und wem ich dieses Wort bzw. diesen Satz gesagt habe und in welchem Zusammenhang ich mit der Situation und dem Menschen stand, schießen mir fast die Tränen in die Augen. Wann immer wir diese Worte sagen, wissen wir nie ob es dem anderen genauso geht, egal ob er es erwidert oder nicht, wir sind von Kindesbeinen an unsicher ob wir wirklich liebenswert sind. Deswegen gibt es neben der Selbstzweifel auch Zweifel an der Liebe des Partners, deshalb sind wir auch eifersüchtig. Die Angst nicht zu reichen, ersetzt zu werden, nicht gut genug zu sein oder einfach in einer Beziehung zu versagen sorgen dafür, das wir das Wort Liebe nur dafür missbrauchen um dieser Angst aus dem Weg zu gehen oder sie im Keim zu ersticken. Es geht vielmehr um Bestätigung, das man doch genügt, das man, wenn man denn „geliebt“ wird, doch nicht verlassen wird und erstmal nicht ersetzt wird.

 

„Mit der wahren Liebe verhält es sich wie mit Geisterscheinungen: alle Welt redet davon, aber nur wenige haben sie gesehen.“

Francois de La Rochefoucauld

 

Das ist was uns die Angst nimmt allein zu sein, dass ist nicht Liebe. Das ist Sicherheit, Ego und irgendwann Selbstverständlichkeit. Der Unterschied zwischen Liebe und der Beseitigung der Ängste ist Bedingungslosigkeit.

Liebe ist an keine Erwartungen und Verantwortungen geknüpft. Wer liebt, kann das auch von weitem lieben. Wer liebt, liebt auch ohne zurückgeliebt zu werden. Wer liebt, der freut sich an und über den, den er liebt. Einfach so.

Wer jemanden liebt, wird ihn loslassen müssen um den Schmerz zu spüren, den er fühlt, wenn er sich vorstellt, ihn nie wieder zusehen. Denn nur dieser Schmerz wird in dir das Gefühl der absoluten Wertschätzung hervorrufen, das dazu führt, das du bereit bist, für diesen Menschen an deine Grenzen und darüber hinaus zu gehen.

 

Ja, auf einmal bekommt das Wort mehr Gewicht.

 

In vielen Beziehungen ist es ganz normal den Partner anzulügen um ihn davor zu schützen verletzt zu werden. In vielen Beziehungen betrügt man den Partner aus Angst für seine Phantasien verurteilt oder sogar verlassen zu werden. In vielen Beziehungen verheimlicht man Dinge, um sich nicht komplett auszuliefern, falls man doch verlassen oder enttäuscht wird. Das Vertrauen fehlt. Nicht weil man nicht will.

Nicht weil es nicht ginge. Wir kennen es einfach nicht anders und weil wir verrecken würden, würden wir uns ausliefern und wieder recht behalten, dass wir es nicht wert waren geliebt zu werden.

 

Wisst ihr warum weinen, wenn wir auf Hochzeiten sind und das Bild der wahren Liebe so perfekt scheint, dass es uns zu Tränen rührt? Warum wir bei Titanic und Pearl Harbor emotional betroffen sind? Nicht weil wir aus Mitgefühl oder Freude für den anderen, sondern aus Sehnsucht. Wir stellen uns vor das wir dieses Gefühl, was wir dort beobachten, selbst irgendwann einmal erfahren dürfen, haben wir bisher ja nie das Glück gehabt.

 

Doch warum sollte es diesmal anders sein, als beim Partner davor oder davor oder im gesamten Leben überhaupt? Warum ist es jetzt wahr und Wirklichkeit?

Ich weiß nicht wer von euch die Erfahrung gemacht hat, sich klarzumachen, wie sehr man den Partner, den besten Freund und jeden, der eng in seinem Leben stattfindet, mit Mama und/oder Papa gleichzusetzen. Sicher, dieses Thema ist sehr komplex und bedarf mehr Aufmerksamkeit als ein kleiner Abschnitt in einem Artikel.

Aber bis wir nicht verstehen, dass wir damit immer noch Mamas Sohn und Papas Mädchen sind, werden wir nie die Frau oder der Mann, der seinen Partner nicht für die eigene Kindheit versucht verantwortlich zu machen und sich diesem Schmerz stellt um eine ehrliche, respektvolle und vertraute Beziehung zu führen. Dann gibt es niemanden mehr der Schuld daran ist, wie verletzt wir sind oder wie sehr wir uns nicht gesehen fühlen. Dann gilt es diesen Schmerz auszuhalten und den anderen kennenzulernen, egal welches „bekannte“ Gefühl er in uns auslöst. Dafür kann niemand etwas, schon gar nicht der Mensch, der dich liebt und den du liebst.

 

„Jeder Mensch begegnet einmal dem Menschen seines Lebens, aber nur wenige erkennen ihn rechtzeitig.“

Gina Klaus

 

Wenn man sich kennenlernt und aufeinander einlässt, ist es wie bei einem Tanz. Je enger und tiefer und intensiver es wird, desto sicherer ist es, dass man sich sehr oft auf die Füße tritt.Jetzt hat man die Wahl (vor allem als Frau) vorauszusetzen das der andere wissen müsste, wo er hintritt und sauer darüber zu sein, dass man kurz einen Schmerz spürt und dies persönlich nimmt, was zu den Konsequenzen führt sich zurückzuziehen oder man akzeptiert den Schmerz und weiß, dass der andere nicht wissen kann, welchen Schritt du als nächstes gehst und er selbst auch das Risiko trägt zu stolpern oder gar hinzufallen. Sollte es zu einem Sturz kommen ist das Ergebnis dessen wie man damit umgeht, der Unterschied zwischen Liebe und dem was man bekämpft, der Angst und dem bekannten Schmerz der Kindheit.

Schuldzuweisungen, Vorwürfe und Streit sind die Folgen dessen, das man das Gefühl loswerden will, indem man jemanden hat, an dem man diesen Schmerz in Form von Zorn und Groll loswird. Liebe lässt nicht zu, dass sich der Mensch, den wir lieben, genauso fühlt, wie wir als Kind. Bei jedem ist es ein anderer Schmerz. Bei einem ist es ein Schuldgefühl, bei jemand anderem die Einsamkeit, nicht gesehen zu werden, eine Last zu sein oder nicht zu genügen. Da gibt es sehr viel. Zu viel.

 

„Liebe ist der Entschluss das Ganze einen Menschen zu bejahen, die Einzelheiten mögen sein, wie sie wollen."

 Otto Flake

 

Loslassen heißt auch zulassen. Wenn man jemanden loslässt, lässt man das Gefühl zu, jemanden zu verlieren und damit noch viele weitere Gefühle wie z.B. daran schuld zu sein, diese Leere nie füllen zu können, zu bereuen und viele andere Emotionen, die damit verbunden sein können. Sich mit diesen Gefühlen auszusöhnen, sie zu spüren und vollkommen zuzulassen, heißt loszulassen. Das ist sicherlich eines der schwierigsten Dinge, die man erleben kann. Wenn man jemanden liebt, ist das allerdings nichts anderes als absolute Wertschätzung. Letzen Endes tut man es für sich selbst.

Was dann passiert ist Befreiung. Der ein oder andere hat das sicher schon einmal erlebt, wenn man irgendwann jemanden emotional loslässt, dass derjenige dann zurückkehrt? An allem, an dem wir Bedingungen oder Abhängigkeiten knüpfen, können wir keine freie und druckbefreite Freude und Liebe empfinden, weil es sonst einen Zweck erfüllen würde bzw. müsste. Das ist keine Liebe, das ist ein Handel oder auch ein Spiel.

 

„Wenn man Liebe nicht bedingungslos geben und nehmen kann, ist es keine Liebe, sondern ein Handel, in dem ständig Plus und Minus gegeneinander abgewogen werden.“

Emma Goldman

 

Für mich ist es der Versuch um seine Ängste herumzutanzen. Für jemanden, den man liebt, stellt man sich diesen Ängsten oder es bleibt ewig nur beim Versuch und immer dann wenn es schwierig wird und der Schmerz kommt, wird man den, den man angeblich so sehr liebt, opfern, um dem aus dem Weg zu gehen.

Nun, an der Stelle kommt immer mein Schlusswort und meine persönliche Erfahrung zum aktuellen Thema. Diesmal ist das wohl schon gesagt. Ich kenne das Gefühl, den anderen für seinen eigenen Schmerz zu opfern und habe viele Dinge getan, die ich heute anders machen würde. Ich habe 30 Jahre gebraucht um nicht mehr Papas Mädchen zu sein und nun mache ich mich auf die Reise in mein neues Leben. Spannend ist das. Ich freue mich auf das was kommt.

 

Kusskuss

 

Eure Doreen

 

 

 

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