Jeder Mensch hat seine Sicht. - Warum Missverständnisse die Möglichkeit bieten, sich kennenzulernen oder sich zu verlieren!

Blog: Meine Welt – meine Gedanken - 08.01.2017
Aus aktuellem Anlass und intensiven Gesprächen, geht es diesmal darum wie unterschiedlich wir sind und auch mit Missverständnissen umgehen. Es gibt die Möglichkeit nur sich selbst und seine Sicht auf die Dinge zu sehen und die Sicht des anderen hinten runterfallen und in einen Streit eskalieren zu lassen oder die Empfindungen des anderen als gleichwertig zu betrachten und darüber zu sprechen, dass beide Wahrheiten ihre Berechtigung haben, respektiert zu werden.

Erst heute hatte ich ein Gespräch darüber, dass ich von einer bestimmten Reaktion meines Gegenübers aus einer Situation ausgegangen war, ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, dass er gar nicht weiß, wie ich die Dinge sehe und wovon ich ausgegangen bin. Wir gehen meistens davon aus, dass die Menschen doch ähnlich denken wie wir oder glauben, dass die Menschen, die uns nah stehen, wissen wie wir denken und wie wir die Dinge sehen.

Der grundlegende Denkfehler heißt: Der andere denkt wie ich.

Unbekannt

Zuerst muss man sagen, dass es sich erst einmal zwischen Mann und Frau sehr deutlich unterscheidet, wie man die Dinge sieht. Ganz auf die Person bezogen geht es bis ins winzigste Detail, worin sich Menschen wirklich überall, was Empfindungen und Ansichten betrifft, unterscheiden. Jeder Mensch hat seine Sicht auf die Welt, mit passender Grundstimmung. Während der eine alles durch die rosarote Brille sieht, gibt es den allseits bekannten Pessimisten, der die Dinge eher misstrauisch und zynisch betrachtet, wertet und danach lebt. Im Laufe des Lebens entwickelt jeder Mensch Ängste, Nöte und Verhaltensweisen, die er aufgrund seiner Erlebnisse entwickelt hat.

Das niemand den andern versteht, dass keiner bei denselben Worten, dasselbe denkt wie der andere, hatte ich schon allzu deutlich eingeseh´n.

Johann Wolfgang von Goethe

Das größte Missverständnis in der Zwischenmenschlichkeit besteht darin, dass die meisten Menschen davon ausgehen, dass der andere ähnlich tickt oder sie verstehen müsste oder nur so tut, als wüsste er nicht was der andere meint. Daraus entstehen täglich Streitigkeiten in fast jedem Haushalt. Fakt ist – das ist ein reines Missverständnis, bei dem jeder die Wahrheit sagt und keinem die Schuld trifft für diese Konfrontation. Dadurch, dass das keiner ahnt, spielt das leider keine Rolle und jeder versucht krampfhaft an seinem Strohhalm festzuhalten ohne dabei zu berücksichtigen, dass es dem anderen ganz genau so geht. Man muss sich das so vorstellen, dass der eine sich auf den Schlips getreten fühlt, weil er auf eine liebevolle Reaktion seiner letzten Aussagen gehofft hat und der andere in diesem Moment weder von dessen Relevanz weiß, oder sich der persönlichen Brisanz bewusst ist und die Aussage als Nebensatz empfunden hat und dementsprechend reagiert (oder eben nicht).

Und schon passiert´s! Beide Seiten haben recht, weil jeder empfindet, wie er empfindet. Doch beide gehen davon aus, dass man doch sehen müsste, wie der andere empfindet und wenn nicht könnte er es doch wenigstens erahnen und darauf Rücksicht nehmen.

So geht es oft mit einer Unterhaltung: Nach einer Weile vergeblicher Auseinandersetzung merkt man, dass man gar nicht von derselben Sache gesprochen hat.

André Gide

Das ist nur leider nicht möglich, weil beide unterschiedlich empfinden. Jetzt ist es wichtig, dass man lernt seine Dinge richtig zu formulieren. Na klar, jetzt wo man sieht, wie viele Missverständnisse man dann überwinden und klären muss, ist es auf einmal gar nicht so leicht, zu sagen wie man die Welt sieht. Noch viel schlimmer ist es allerdings, seine Nöte wie z.B. Wut, Angst oder Verzweiflung zurückzustellen, damit der andere auch das Gefühl hat über seine Empfindungen zu sprechen.

Das Geheimnis des Erfolges ist, den Standpunkt des anderen zu verstehen.
Henry Ford

Deshalb ist es auch so schwer in solchen Situationen zuzuhören und trotz Emotionalität, dem Gegenüber den Raum für seine Sicht auf die Dinge zu geben. Wir alle kennen das, fühlen wir uns doch einfach nicht gesehen, wenn wir denken, dass die Meinung des anderen mehr zähle, als die eigene. Wenn beide Seiten da sein dürfen, ohne etwas zu unterdrücken und zu verurteilen, viel mehr sogar Interesse für die Ansichten des Partners oder Freundin da wären, gäbe es keinen Streit, sondern ein Gespräch, aus dem man erfährt, wie der andere eigentlich tickt.

Missverständnis kann der Wahrheit näher sein als ein Einverständnis.

Manfred Hinrich

Das ist ja eigentlich sogar der einzige Weg, sich richtig kennenzulernen. Durch Missverständnisse. Normalerweise folgt auf eine Aktion die Reaktion. Wenn man Missverständnisse nutzen möchte, folgt auf die Reaktion die Erklärung und die Frage, was in dem anderen die Aktion ausgelöst hat. Dann wird es ein Gespräch und führt zu einer intensiveren Verbindung, mit jedem Mal tiefer.

Ich persönlich glaube, dass ist einer der größten Herausforderungen im Leben. Oftmals leben wir nur das Extreme aus, wir nehmen uns entweder zurück um dadurch zu schlichten und dem eigentlichen Problem aus dem Weg zu gehen (was sich in aller Regelmäßigkeit wiederholt, eben bis das Problem besprochen wird) oder wir blenden alles aus, was nichts mit unseren Gefühlen zu tun hat, gehen auf den anderen los und beschuldigen Ihn, dass er schuld an unserem Zustand ist und bestrafen ihn dafür, ohne zu bemerken, wie unfair das ist. Ja fast schon dreist. Stelle man sich vor, dass es umgekehrt so laufen würde, wären wir ausgeflippt.

Leicht ist es nicht und ohne Rücksicht, Weitsicht und Verständnis gar nicht möglich, aber es geht, wenn man will.

In diesem Sinne..

Es gibt keine Freiheit ohne Gegenseitiges Verständnis.

Albert Camus

Kusskuss

Eure D