Jemanden zu verurteilen heißt, sich selbst einzuschränken! – Warum Wertung sich mehr gegen sich selbst richtet.

Blog: Meine Welt – meine Gedanken - 05.10.2016
Aus aktuellem Anlass und intensiven Gesprächen, geht es diesmal darum sich selbst einzugestehen, dass sich jede Wertung gegenüber dem anderen, eigentlich nur gegen sich selbst richtet.

Es ist mit unseren Urteilen wie mit unseren Uhren. Keine geht mit der anderen vollkommen gleich, und jeder glaubt doch der seinigen.

Christian Fürchtegott Gellert

Wer kennt das nicht? Jeder von uns hat diesen einen Typen in der Clique, der lauter ist als alle anderen und den Mittelpunkt des Abends gern für sich selbst beansprucht. Auch ist es weitverbreitet, dass wir unseren Partner, Schwester oder besten Kumpel für egoistisch halten und deshalb regelmäßig austeilen, weil wir uns verletzt fühlen.

Jeden Tag werden wir mit Bildern, Aussagen und Situationen konfrontiert, in denen wir emotional reagieren. Wir selbst können das nur schwer in uns auslösen, wenn wir allein sind. Abgesehen von Verhaltensweisen, von denen wir wissen, dass wir uns selbst dafür verurteilen, z.B. wenn wir uns kleine Fehler nicht verzeihen wollen oder wir uns anklagen, weil wir undiszipliniert gehandelt haben, gibt es noch die, von denen wir nichts wissen oder sie nicht wahrhaben wollen. Wertung anderen gegenüber, denken und äußern wir, natürlich nur, in Gegenwart anderer.

Doch was passiert, wenn uns etwas an dem Verhalten des anderen nicht passt? Warum werden wir wütend, verurteilen und beschuldigen unser Gegenüber für ein Verhalten, mit dem nur wir persönlich ein Problem haben? Warum werden wir überhaupt wertend, urteilend und angreifbar, durch Eigenschaften zweiter?

Als erstes ist es tatsächlich wichtig zu erkennen, dass alle Eigenschaften, Aussagen, Gesten und was sonst noch Emotionen in uns auslösen kann, genau unsere eigenen Baustellen sind. Auch wenn wir es uns selbst nicht eingestehen wollen, verurteilen wir an anderen immer genau das, was wir selbst sind, tun uns danach sehnen oder verdrängen. Man kann davon ausgehen, dass wir in jemand anderem auch genau das auslösen, was wir selber empfinden. So oder so, gibt es diese Gefühle nur, wenn wir sie verurteilen.

 

Die Begriffe der Menschen von den Dingen sind meistens nur ihre Urteile über die Dinge.

Christian Friedrich Hebbel

 

Wenn wir zum Beispiel dauernd Angst davor haben, etwas falsch zu machen, werden genauso agieren, dass der andere ebenfalls das Gefühl bekommen wird alles falsch zu machen. Wir projizieren unsere Unsicherheit auf unser Gegenüber und eigentlich kann der andere nur alles falsch machen, weil wir auf Grund unserer Gedanken diese Energie vermitteln.

Das wohl unbeliebteste, aber beste Beispiel dafür, ist der Egoismus. Wer von uns hat schon mal jemand anderen vorgehalten und beschuldigt, egoistisch zu sein oder zumindest so gehandelt zu haben? Richtig, so ziemlich jeder. Das liegt daran, dass wir Menschen egoistisch sind. Das ist ja nicht mal schlimm, der Mensch selbst verurteilt diese Eigenschaft lediglich, das ist auch schon alles. Auch Geiz und Gier sind Eigenschaften, für die man sich selber verurteilt und sie nicht akzeptieren möchte, weil jeder natürlich nur vermeintlich „gute“ Charaktereigenschaften besitzen möchte.

Der Mensch funktioniert aber nicht so. Wir sind alles. Gut und Böse. Fröhlich und Wütend. Wohlwollend und Rachsüchtig. Der Kampf gegen die weniger angenehmen Gefühle und Ängste, die man mit diesen Adjektiven verbindet, ist, was wir dann später beim anderen verurteilen. Wir selber gestehen uns das nur selten ein. Wer will auch schon, dass jemand weiß, das wir geizig, tyrannisch, arrogant oder egoistisch sind? Hätten wir doch selber viel zu viel Angst dafür verurteilt zu werden! Oder nicht? Wir hätten Angst, dass wir gemieden werden, keinen Partner zu finden der uns liebt, wir keine Freunde hätten und uns die Preisgabe dieser Eigenschaften, jedes Bewerbungsgespräch der Welt versauen würde.

 

Misstraue deinem Urteil, sobald du darin den Schatten eines persönlichen Motivs entdecken kannst.

Marie von Ebner-Eschenbach

 

Das ändert aber nichts an der Tatsache. Wir sind wer wir sind. Ich persönlich denke, so lange wir die Seiten an uns leugnen, die wir an anderen verurteilen, wird es uns schwer fallen zu uns selbst zu stehen, mit all unseren Facetten. Letzen Endes richtet sich jeder Groll gegen uns selbst, wissen wir ja, dass niemand außer uns selbst für unseren Gefühlszustand verantwortlich ist. Jemand anderes kann immer nur Erinnerungen an unser Gefühl auslösen und trotzdem ist er niemals schuld daran, wie wir uns fühlen. Wir sind ganz allein dafür verantwortlich.

In diesem Sinne

 

Liebe erst dich selbst, akzeptiere wer und was du bist, mit all deinen Fehlern; erst dann wirst du wissen was Liebe ist und andere lieben können wie sie sind.

Rose von der Au

 

Kusskuss

Eure Doreen